Projekt
Was AmiGo ins Rollen bringt - ein Blick in den Betriebshof
Damit AmiGo auf den Strassen automatisiert unterwegs sein kann, laufen viele Arbeiten im Hintergrund. Marc Rüder, Leiter Betrieb AmiGo, gibt einen Einblick und erklärt, wie die Sicherheit beim automatisierten Fahren gewährleistet wird.
Inhaltsbereich
Herr Rüder, Sie leiten den Betrieb des Depots in Altstätten SG: Was passiert hier im Depot genau?
Das Depot ist das Herzstück des Betriebs. Hier befinden sich nicht nur unsere Fahrzeuge, sondern es werden auch sämtliche Abläufe koordiniert und gesteuert.
Mit dem Erhalt der Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Strassen (ASTRA) können wir den automatisierten Betrieb mit Sicherheitsfahrer:innen starten. Der Fokus lag in den letzten Wochen klar darauf, diesen Betriebsstart sicher und reibungslos zu gestalten. Dafür haben wir umfassende Betriebsprozesse entwickelt.
Dazu gehören zum Beispiel die umfassende Schulung der Sicherheitsfahrer:innen, die Prüfung der Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge vor jeder Fahrt, aber auch die Nachbereitung. Es werden kontinuierlich Daten gesammelt, etwa über die Situationen, in denen Sicherheitsfahrer:innen eingreifen mussten. Diese Daten werden systematisch ausgewertet, um den Betrieb laufend zu verbessern.
Sicherheit hat bei AmiGo oberste Priorität – wie sieht das im Alltag konkret aus?
Sicherheit ist der zentrale Leitgedanke im gesamten Betrieb. Sie wird durch klar definierte Vorschriften und Abläufe sichergestellt.
Indem wir standardisierte Abläufe haben und alle Regularien konsequent einhalten, reduzieren wir die Risiken auf ein Minimum.
Das umfasst auch viele kleinere Massnahmen: Beispielsweise sind unsere Fahrzeuge gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden sichtbar als autonome Testfahrzeuge gekennzeichnet, um auf ein angepasstes Verhalten im Verkehr hinzuweisen.
Inhaltsbereich
Mich begeistert es, bei einem der ersten Projekte dieser Art in Europa von Anfang an dabei zu sein, wenn automatisiertes Fahren als Ergänzung des öffentlichen Verkehrs erstmals Realität wird. Diese Energie spürt man im ganzen Team.
Marc Rüder, Leiter Betrieb AmiGo
Inhaltsbereich
Mit AmiGo werden auch neue Jobprofile geschaffen, z. B. dasjenige des Sicherheitsfahrpersonals. Wie sieht dieser Job genau aus?
In der ersten Betriebsphase sind die Fahrzeuge zwar autonom unterwegs, es sitzt aber ein Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer. Das Lenkrad ist jederzeit griffbereit, der Fuss nahe an der Bremse. Durch jeden Eingriff lernt das System.
Weltweit gibt es erst wenige Sicherheitsfahrer:innen. Das neue Jobprofil ist also sehr innovativ und spannend, was wir auch an der Begeisterung unserer Mitarbeitenden merken. Gleichzeitig stellt es hohe Anforderungen. Neben der Mitwirkung bei Vor- und Nachbereitungsprozessen im Betrieb sitzt die Person während der Fahrt hinter dem Steuer und ist jederzeit bereit einzugreifen. Diese Rolle verlangt ein sehr hohes Mass an Konzentration, Disziplin und Reaktionsfähigkeit, oft sogar mehr als beim klassischen Fahren.
Die Ausbildung erfolgt in Zusammenarbeit mit unserem erfahrenen Technologiepartner Baidu Apollo Go, ergänzt durch spezifische Schulungen von PostAuto, insbesondere zu Schweizer Regularien und Betriebsprozessen.
Der Betrieb wird vollständig durch PostAuto geführt. Welche Rolle spielt der Technologiepartner Baidu Apollo Go?
PostAuto verantwortet den Betrieb und definiert die Anforderungen, insbesondere in Bezug auf Sicherheit und Abläufe.
Baidu Apollo Go ist als Technologiepartner eingebunden und stellt die Fahrzeugtechnologie zur Verfügung. Die Zusammenarbeit ist dabei eng und iterativ: Rückmeldungen aus dem Betrieb fliessen direkt in die Weiterentwicklung der Systeme ein.
Langfristig ist das Ziel, dass PostAuto immer mehr operative Aufgaben selbstständig übernehmen kann, während Baidu Apollo Go weiterhin die technologische Entwicklung unterstützt.